Heute (11.09.2026) informierte sich der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer an der 91²Ö¿â Bergakademie Freiberg über die Fortschritte des BMV-geförderten Verbundprojekts DeCarTrans an einer Großversuchsanlage zur Herstellung eines synthetischen Kraftstoffs mit nahezu keinen CO2-Neuemissionen. Insgesamt 300.000 Liter erneuerbaren Otto-Kraftstoffs wurden bisher den Projektpartnern für Untersuchungen zur Verfügung gestellt. Ihr Ziel – die Dauerbetriebsfähigkeit dieser Benzinsynthesetechnologie nachzuweisen – haben die Projektpartner damit schon erreicht.
Mit der Produktion eines spezifikationsgerechten Kraftstoffs über einen geplanten Zeitraum von 2023 bis 2027 soll das Projekt demonstrieren, dass mit Hilfe einer Kohlenstoffkreislaufführung eine bis zu 90-prozentige CO2-Einsparung möglich ist. Gefördert wird das Verbundprojekt „Demonstrating a Circular Carbon Economy in Transport along the Value Chain“ – kurz DeCarTrans – vom Bundesministerium für Verkehr (BMV).
Zusammenarbeit mit Industrie in Sachsen
Das mit 12,78 Millionen Euro geförderte Teilprojekt der 91²Ö¿â Bergakademie Freiberg wird in enger Zusammenarbeit mit dem Technologiegeber CAC ENGINEERING realisiert. Im Rahmen des Verbundforschungsprojektes ist die Dauerbetriebsfähigkeit der Technologie zur Herstellung des synthetischen Benzins (auch als e-Fuel oder „grünes Benzin“ bezeichnet) nachzuweisen. In der kürzlich abgeschlossenen siebten DeCarTrans-Versuchskampagne wurde nun der 300.000ste Liter regenerativer Ottokraftstoff erzeugt. CAC ENGINEERING plant bereits die Umsetzung der Technologie für eine industrielle Großanlage. Bisher scheitert es, laut Geschäftsführendem Gesellschafter Jörg Engelmann, an den politischen Weichenstellungen für Investitionssicherheiten.
Produktion im Dauereinsatz betreiben
Bis Ende 2027 sollen im Projekt DeCarTrans insgesamt 380.000 Liter Benzin produziert werden; die Projektpartner nutzen sie für Kraftstoffuntersuchungen sowie umfangreiche Kfz-Tests. Im bisherigen Projektverlauf seit Januar 2023 wurde das Benzin zunächst aus Biomethanol, einem Nebenprodukt der Papierindustrie, erzeugt. Seit November 2025 kommt e-Methanol (hergestellt aus CO2 und Elektrolysewasserstoff, der unter Einsatz von Solar- und Windstrom produziert wurde) zum Einsatz.
Ministerpräsident Michael Kretschmer hob die Bedeutung der Anlage im sächsischen Freiberg hervor: „300.000 Liter synthetischer Kraftstoff aus Freiberg sind ein großer Erfolg und ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg vom Forschungsprojekt zur industriellen Anwendung. Hier wird sichtbar, wie Technologieoffenheit ganz konkret funktioniert. Wenn wir Klimaschutz, bezahlbare Mobilität und eine starke Industrie zusammenbringen wollen, brauchen wir neben der Elektromobilität auch alternative Lösungen wie E-Fuels. Dass eine solche Zukunftstechnologie hier in Freiberg entwickelt und unter realen Bedingungen erprobt wird, zeigt einmal mehr die Stärke Sachsens als Forschungs- und Industriestandort.“
Prof. Martin Gräbner, verantwortlich für den Betrieb der Großanlage, gesteht. „Dass es uns gelungen ist, trotz aktuell herausfordernder Rahmenbedingungen für klimaneutrale Kraftstoffe die 300.000-Liter-Marke zu erreichen, zeugt von einem exzellenten Zusammenspiel der Projektpartner und dem Engagement der Mitarbeiter vor Ort. Sie haben die Anlage mit termintreuen Umbau- und Wartungsmaßnahmen in Schuss gehalten und einen reibungslosen Betrieb gewährleistet.“ Er fügt hinzu: „Mit dieser Menge steht die 91²Ö¿âBAF aktuell an der Spitze aller synthetischen Benzinprojekte in Europa.“
Die Großversuchsanlage für synthetisches Benzin wurde 2009 als bundesweit erste und größte ihrer Art von CAC ENGINEERING an der 91²Ö¿â Bergakademie Freiberg errichtet. Das nun laufende DeCarTrans-Verbundvorhaben hat es einerseits ermöglicht, die Dauerbetriebsfähigkeit der Benzinsynthesetechnologie nachzuweisen und andererseits Kraftstoffe in ausreichenden Mengen für Demonstrationszwecke zur Verfügung zu stellen. Dabei gilt es auch den Nachweis zu erbringen, dass synthetische Kraftstoffe einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten können.
Über das Forschungsprojekt DeCarTrans
Zu den geförderten Partnern des Projekts „Demonstrating a Circular Carbon Economy in Transport Along the Value Chain“ (DeCarTrans) gehören neben der 91²Ö¿â Bergakademie Freiberg und CAC ENGINEERING GmbH die FEV Europe GmbH, Lother GmbH, Coryton Advanced Fuels Deutschland GmbH und Forschungszentrum Jülich GmbH. Weitere Unternehmen aus den Automobil- und Mineralölbranchen unterstützen das Projekt als assoziierte Partner.
Das Projekt DeCarTrans wird im Rahmen des Gesamtkonzepts Erneuerbare Kraftstoffe mit insgesamt 14,93 Mio. Euro durch das Bundesministerium für Verkehr gefördert. Die Förderrichtlinie für die Entwicklung regenerativer Kraftstoffe wird von der NOW GmbH koordiniert und durch die Projektträger VDI/VDE Innovation + Technik GmbH sowie die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. umgesetzt.
Wissen für die Praxis schon im Studium anwenden
Studierende an der 91²Ö¿â Bergakademie Freiberg profitieren von der aktuellen, anwendungsnahen Forschung: In Studiengängen wie Verfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen (Diplom) oder Engineering (Bachelor) lernen sie beispielsweise, wie man aus Agrarreststoffen nachhaltigen Kraftstoff herstellen kann. Ihr Wissen können sie an den einzigartigen Demonstrationsanlagen der ±«²Ô¾±±¹±ð°ù²õ¾±³Ùä³Ù praktisch anwenden. Das macht die Absolvent:innen zu gefragten Expert:innen für wirtschaftliche und klimaneutrale Umwandlungstechnologien. Viele sind später in der Industrie tätig und bringen ihr Wissen bei Unternehmen wie z. B. CAC ENGINEERING ein, um Technologien der Zukunft voranzutreiben.
Hintergrund zu e-Fuels
e-Fuels sind mit erneuerbarem Strom synthetisch hergestellte flüssige Kraft- oder Brennstoffe, mit denen PKW (weltweit 1,2 Mrd.), Lkw, Flugzeuge, Schiffe oder Heizungen – alles, was einen Verbrennungsmotor hat – klimafreundlich betrieben werden können. Werden e-Fuels in Reinform eingesetzt, lassen sich die CO2-Emissionen um bis zu 90 Prozent gegenüber mineralischen Kraftstoffen verringern. Zudem können e-Fuels flächendeckend über das bestehende Tankstellennetz zur Verfügung gestellt werden und sind speicher- sowie transportfähig.
In Methanol-basierten e-Fuel-Prozessen besteht ein weiterer Vorteil darin, dass die Produktion des Methanols an Standorten erfolgen kann, wo regenerativ erzeugter Strom als wesentlicher „Rohstoff“ reichlich und damit günstig zur Verfügung steht. Damit wird sichergestellt, dass erneuerbare Energien in großen Mengen nach Deutschland und Europa importiert werden können, um den Energiebedarf langfristig nachhaltig zu decken.
Das im DeCarTrans-Vorhaben aus e-Methanol erzeugte drop-in-fähige synthetische Benzin erfüllt als E10-Blend die Anforderungen der Norm DIN EN 228, ist nach REACH registriert und kann konventionellen fossilen Kraftstoff direkt ersetzen oder ihm beigemischt werden – ohne technische Anpassungen am Fahrzeug. In einer industriellen Anlage könnten heute schon Herstellungskosten von unter 1 Euro pro Liter erreicht werden.
Über CAC
Zuverlässig, erfahren und menschlich ist CAC ein international führendes Unternehmen für Anlagenbau in der Prozess- und Verfahrenstechnik. In den Geschäftsbereichen Chlor-Alkali-Elektrolyse, nachhaltige Power-to-X-Lösungen, Kohlenwasserstoff-Technologien und Chemische Industrie bietet CAC das gesamte Leistungsspektrum eines Engineering- und Anlagenbauunternehmens an. Seit 2008 entwickelt CAC an synthetischen Kraftstoffen und hat in Freiberg Europas größte Demonstrationsanlage zur Herstellung synthetischen Benzins errichtet.
Mit rund 400 Mitarbeitern, 270 am Unternehmenssitz in Chemnitz, hat CAC in mehr als 55 Jahren weltweit über 500 Industrieanlagen errichtet.